1983 habe ich mein erstes Modell, eine ägyptische Nilbarke, nach umfassenden Recherchen und Zeichnungen, frei gebaut. Dieses erste Modell war Resultat einer Wette, bei der es darum ging ob ich überhaupt ein Schiff ohne Baukasten und Anleitung zusammen bekomme.
Schnell wurde klar wie vielfältig und abwechslungsreich sich meine Absicht gestaltete. So war es erforderlich herauszubekommen: Wann, wie und aus welchem Material bauten die Ägypter ihre Schiffe?
Was transportierten sie? Gab es Einflüsse anderer Kulturen durch Handel, Krieg, oder Eroberung? Wie weit reichte ihr Einflussgebiet und dergleichen mehr.
Aspekte die mir wichtige Anhaltspunkte gaben wie ich mein Modell später anfertigen werde. Selbstverständlich gibt es aus dieser Zeit nicht mehr als ein paar Flachreliefs oder Modelle aus Grabbeigaben, die allerdings mehr religiös-kultischen Zwecken dienten.
So gerüstet habe ich mich an die Umsetzung in Holz gemacht, was wiederum annähernd ein Jahr dauerte - diverse Rückschläge nicht miteingerechnet. So hat es mir den ersten Rumpf quasi auseinandergerissen. Die Spanten waren zu schwach ausgeführt, das der Zug der durch die angeschlagenen Planken entstand einfach zu groß wurde und der Rupf brach...
Schiffsmodellbau bringt also keine schnellen Erfolge.
Der Bau eines Historischen Schiffs kann Jahre in Anspruch nehmen, demzufolge ist neben einer Menge an handwerklichem Geschick, Geduld, Fleiß und Ausdauer notwendig.
Wenn ich einen Schiffstyp rekonstruiere, gliedert sich das in vier Phasen.
Zunächst muss ich über das Schiff meiner Wahl möglichst viel ermitteln: Gibt es noch Baupläne, wenn nicht, existieren Reliefs, Vasendarstellungen, Gemälde, Modelle als Grabbeigaben etc.
Einschlägige Kriegs- und Militärhistorische Facharchive abklappern, Museen sind meist sehr kooperativ und hilfsbereit, nur muss man ihnen schon genaue Angaben machen was man will. Das Internet absuchen, und nicht zu Letzt eine Menge Fachliteratur zum Thema wälzen.
Habe ich alle relevanten Daten zusammen, vielleicht sogar einen Plan, gehe ich daran diesen auf den von mir gewählten Maßstab umzuzeichnen. Aus Mangel an Vorlagen erstelle ich meine Pläne zu 90% selbst. Mein Ziel ist es ja nicht einfach ein hübsches Schiffchen zu basteln, sondern ein Modell das dem Original soweit wie möglich gleicht, nur eben 25, 50, oder 100 mal kleiner.
Jetzt muss ich das erforderliche Material besorgen, als Tischlerin fällt mir das nicht sonderlich schwer. Weil sich abgelagertes Holz besser eignet, da es weniger arbeitet, habe ich mir ein kleines Lager eingerichtet. Außerdem sind Holzarten wie Cocobolo, Buchsbaum, Olive, Walnuss, Zeder oder Veilchenholz nicht immer zu haben. Ich bemühe mich die im Original verwendeten Holzarten zu verwenden.
Es juckt schon in den Fingern, im Grunde könnte ich mit der Bauphase beginnen aber bevor ich mit Säge, Bohrer, Leim und dergleichen loslege muss das Modell fix und fertig in meinem Kopf existieren. Nicht nur das Modell an sich, nein, jeder Arbeitsgang, beinahe jeder Handgriff.
Hat mein ideelles Schiff Form angenommen, dann lege ich den Kiel, setze Spannten ein, ziehe Planken auf die Spannten auf ...
... bis am Ende aus einer Idee, einem Entwurf schließlich ein Schiff - originalgetreu und formvollendet - entstanden ist.